Samstag, 2. April 2016

RUNWAY Show Modekollektiv Raum16

Marlene Auer
Wie versprochen, zeige ich Euch heute die in meinen Augen prägnantesten Stücke aus der Kollektivpräsentation zweier Abschlussklassen des Modekolleg Herbststraße (Raum16). Diese unglaublichen Outfits spiegeln das Potenzial der Jungdesigner wieder, die sich alleine in dieser  einen wiener Modeschule befinden. Natürlich haben alle Absolventen nur ihre besten Teile auf den Laufsteg geschickt, aber die kreativen Spitzenleistungen einiger weniger Schüler stachen hervor. Das dramatische Kunstwerk hier oben von Marlene Auer, das vom Material fast schon wie Papier wirkt, ist eines meiner Favoriten und gehört zu der Kollektion "The Rabbit´s Call", welche die Designerin so beschreibt: "Alice fiel in ein Loch und der Spaß beginnt - Eine Erforschung des Wahnsinnigen, des Wahnhaften. Wahnsinn als Ausdruck ungläubiger Begeisterung angesichts des Fantastischen und Magischen der Fabelwelt. Wahnsinn als Manifestation tatsächlichen krankhaften Wahns. Eine Reise durch die Imanigation einer Wahnvorstellung."  

Anna Weigel
Bei Anna Weigels ist mir diese Jacke besonders aufgefallen, da sie perfekt zu einem neuen MAINGARDE-Headershooting passen würde, das ich momentan plane. Weigel möchte in ihrer Linie die Weiblichkeit der Frau mit einer notwendigen Prise Selbstironie, inspiriert durch die englische "Tea Time", betonen, weshalb die Kollektion den selben Namen trägt.

Cassiopeia von Duyvenbode
Für den nötigen "Skandal" des Abends, sorgte dieser Entwurf. Das Model lief unbeirrt weiter, als ihr gleich zu Anfang der Träger, in diesem Fall die Hälfte des Kleides, herunterrutsche und dabei ihre Brust entblößte. Es wirkt beinahe wie geplant, wenn die Künstlerin Cassiopeia von Duyvenbode schreibt: "Ausgangspunkt war die Verschleierung des Körpers und Gesichts, im Gegensatz zum Entblößen / Freilegen der Haut. Und die Gegenüberstellung von einer auf Lust und Sex ausgerichteten Gesellschaft mit der (traditionellen) Verschleierung, bezogen auf die Frau und des weiblichen Körper. Ebenso die Frage, ob diese Verschleierung in der heutigen Zeit freiwillig oder aus Zwang fortgeführt wird." Denn mir erschließt sich bis heute nicht der Grund, warum die Errungenschaft der Männerwelt Brust zeigen zu dürfen, nicht auch für Frauen gelten sollte. Mal abgesehen von unausgesprochenen Regeln über die akzeptable Länge von zum Beispiel Hosenbeinen, wird dem heutigen Mann eine gewisse Zeigefreudigkeit gewährt. Wer weiß, ob einige Frauen es nicht auch mal angenehmer fänden ohne Oberteil zu trainieren. Auf der anderen Seite kann man die Kollektion als Symbol der Diskrepanz von traditionellen (fälschlicherweise oft gleichgesetzt mit 'von der Religion klar vorgeschrieben') Arten Kopftücher zu tragen, jedoch zeitgleich dem westlichen Attraktivitätsideal enger Kleidung entsprechen zu wollen, verstanden werden. Eine sehr moderne Art sich mit einer immer wiederkehrenden Frage zu beschäftigen.

Fanny Füzy
Lust auf Sommer bekommt man besonders bei diesem Outfit, das locker mit großen Designlabels mithalten kann. Es ist von Fanny Füzy.

Ramona Güttler
Auf eine eindrucksvolle, so wie in gewisser Weise trotzdem minimalistische, Art, zeigt Ramona Güttler wie man mit wenig Licht viel Effekt erzeugen kann. "Im Zentrum der Kollektion steht 'der gläserne Mensch'[...], dessen Handlungen und Taten durch die Digitalisierung aller Informationen gläsern werden." Sie zeigte noch extravagantere Kreationen, die hier leider keinen Platz mehr finden konnten.

Teresa Mair
Zula Tuvshinbat
Sofa Marwa
Zula Tuvshinbat
Anna Weigel
Olivia Kurz
Bianca Kleindessner
Es ist bekannt, wie stark sich einige Designer mit ihren eigenen Entwürfen identifizieren können, wobei andere für sich selbst einen dem entgegenlaufenden Stil bevorzugen. Ihr dürft raten, wie sich das zum Beispiel bei der hier unten abgebildeten Victoria Schreiner, und ihrer Reihe "Hatsuyume", verhält. "Hatsuyume ist eine Festivität in Japan zwischen 1. und 2. Jänner und es handelt sich um den ersten Traum im neuen Jahr. Ihm wird besondere Bedeutung zugeschrieben - er soll voraussagend für das kommende Jahr sein."

Victoria Schreiner
Nun ist mir natürlich klar, die Designs welche ich hier im Speziellen ausgewählt habe, sind bis auf Ausnahmen für die weniger wagemutige Masse nicht tragbar, oder zumindest nicht straßentauglich. (Ich plädiere selbst immer für mehr Mut bei der Kleiderwahl und weiß welche Überwindung es kosten kann bei etwas der Erste in seinem Umfeld zu sein) Mein Anspruch war dabei eher die kreative Diversität in Form von extravaganter Haute Coture zu umreißen. Damit wenigstens einzelne Jungdesigner ihr Sprachrohr bekommen können. Doch so viel Bewunderung ich für sie hege, so hart wird manche die Einsicht treffen, dass ihre Ideen zwar kreativ sind, aber nicht unbedingt ihr täglich' Brot bezahlen werden. Einer der Gründe, warum ich selbst von meinem lange geplanten Modestudium abgesehen habe. Es braucht solche "Show- und Shootingoutfits" als Visitenkarte für Fertigkeiten die ein Designer hat. Vermutlich schlägt genau dafür das Herz vieler Künstler. Ob sich eine Marke in der schnelllebigen Modewelt etabliert, hängt jedoch meist von anderen Faktoren ab. Wie sich die Dinge entwickeln wird die Zeit zeigen. Ich würde sagen: Raum16, wir haben ein Auge auf Euch!

Samstag, 26. März 2016

Modekollektiv Raum16 Tableau Vivant


Willkommen zurück ihr Lieben!
Letztes Wochenende, war in eingeladen zu den Abschlusspräsentationen zweier Abschlussklassen des Modekolleg Herbststraße. Dass zwei Abschlussklassen ihre Kollektionen gemeinsam präsentieren, gab es bis zu diesem Zeitpunkt wohl noch nie.  


Zusammen gründeten sie das sogenannte Modekollektiv Raum16. Ein interessanter Name wie ich finde, der offensichtlich mindestens zwei Bedeutungen in sich birgt: Auf der einen Seite beschreibt es den Raum für das künstlerische und experimentelle Ausleben der Schüler, auf der anderen Seite meint es tatsächlich so etwas wie einen physischen Raum, also einen geschützten sowie gleichzeitig begrenzen Ort irgendwo auf der Welt. 


Wohl deshalb, lief die am Freitag laufende Präsentation auch unter dem Namen "Das Haus". Ein Haus in dem jeder Jungdesigner sein Zimmer, also seinen eigenen Platz, hat. "Mein Haus ist meine Freiheit, ohne Ziele voranzulaufen, getrieben von Sehnsüchten, die ich nicht beschreiben kann." heißt es im ersten Absatz eines Textes im Programmheft von Maria Asamer, mit dem sie versucht das Thema des Hauses zu umreißen.


Als Form der Inszenierung haben die jungen Talente für diesen Tag ein "Tableau Vivant" gewählt. Zu Deutsch heißt das einfach nur lebendes Bild. Genauer bedeutet das, die Künstler ordnen bestimmte Requisiten und Darsteller im begrenzten Bereich an, welche sich während der Betrachtung verändern können. Bei manchen konnte man die gesamte Idee hinter den besten Entwürfen ihrer Kollektionen erkennen, bei anderen weniger. 



So erzählte mir zum Beispiel die Designerin Valerie Holfeld (einer ihrer Looks ist hier oben sichtbar), dass ihr Bruder mehrfach körperlich behindert sei, und sie mit ihrer Kollektion darauf aufmerksam machen will: "Nicht Jeder kann die Freiheit genießen, seinen eigenen Körper uneingeschränkt zu bewegen und wahrzunehmen." Dabei symbolisieren transparente Teile, welche exakt an ausgewählte Körperteile wie zum Beispiel Kniegelenke angepasst sind, verschiedene Einschränkungen. Für den Außenstehenden sind diese auf den ersten Blick kaum erkennbar, jedoch bedeuten sie für die Menschen die sie tragen einen Verlust von Bewegungs- und somit Handlungsfreiheit.



Für Johanna Bouvier dienten die Berge in ihrer Heimat Tirol als Inspirationsquelle. Sie schreibt: "Für mich hatte es immer etwas beschützendes im Tal zu sein, nach oben zu sehen und zu wissen, dass die Berge auf mich aufpassen, mich umschließen. An anderen Tagen fühlte ich mich beengt, ich wollte weg, ich fühlte mich von den Bergen eingeschränkt, ja fast bedroht." Ihre recht modernen Designs wirken auf eine besondere Weise traditionell. Man erkennt den ländlichen Bezug, wobei sie gleichzeitig der üblichen Silhouette widerspricht. 



Ich denke die Models hatten trotz der Hitze die sich nach einiger Zeit im Saal aufstaute und Menschen die sie bei jeder Bewegung fotografierten, sehr viel Spaß an dieser außergewöhnlichen Darstellungsform. Besonders eine Freundin von mir, die ihr als treue Maingardisten bereits erkannt haben könntet, meinte, ihre Rolle als kindlich naive Erwachsene habe ihr große Freude bereitet. Sie durfte mit Kreide den Boden bemalen, mit den anderen Models Klatschspiele spielen und vergnügt in der Gegend herumhüpfen. Für alle, die immernoch nicht wissen von wem ich spreche hier der Link zum Shooting das ich vor einiger Zeit mit ihr hatte -> Clara for MAINGARDE.com by Marco Feilbach



Wer glaubt die Designerin dieses Outfits, habe sich von der Welt des Harry Potter inspirieren lassen, liegt vollkommen richtig. Ich würde sagen "10 Punkte für Gryffindor"! Auch wenn ich nicht so der Fan von Strick und Grau-in-grau bin, habe ich ein Faible für dieses Outfit der Designerin Franziska Leitner. Was eventuell auch an dem bezaubernden Model, dem coolen Zauberstab, aber wohl am ehesten an dem PVC-Umhang liegt. Manchmal kann man mich leicht begeistern, ich weiß. 


Es kam mir allgemein so vor, als wären einige Schüler wohl gemeinsam ein paar Rollen PVC kaufen gegangen, denn dieses Material zog sich fast schon wie ein roter Faden durch die Lebenden Bilder vieler Künstler an diesem Tag. Da hingen mal ein paar Teile hier auf einem Kleiderständer, ein paar Teile dort auf dem Boden, die eine trug es als Umhang, der andere als vermeintlichen Cut-out. Dieser Trend darf gerne weiter aufrecht erhalten werden, dann fühle ich mich nicht immer so alleine mit meinem Modegeschmack.


Was haltet Ihr von den Designs, der Art von Präsentation, oder den Geschichten hinter den Kollektionen? Wen der Designer sollte ich vielleicht mal interviewen? Ich freue mich immer über Rückmeldungen von Euch. Denn nur für Euch Maingardisten mache ich das hier Alles. Danke meinen Treuen Lesern! Und vergebt mir, wenn ich wieder mal im Unichaos versinke, ich gebe mein Bestes! 

Love my Maingardists <3
Marco Feilbach